PlakatBärDefFür den 10. Oktober um 20 Uhr beim Bahnhof ruft die Revolutionäre Jugend Gruppe (RJG) auf zum Antifaschistischen Abendspaziergang in Bern.

Am Anfang der antifaschistischen Abendspaziergänge standen die Übergriffe von Neonazis auf Andersdenkende, Migrant*innen und Antifaschist*innen. Um dagegen anzukämpfen schlossen sich verschiedene Gruppen und Einzelpersonen zusammen.

Gemeinsam wurde im Jahr 2000 zum ersten Abendspaziergang aufgerufen um auf faschistische Gewalt und Alltagsrassismus aufmerksam zu machen. Rund 350 mit Baseballschlägern, Eisenketten und CS-Gas bewaffnete Faschisten versuchten immer wieder in Sichtweite der Demo zu gelangen um die 1500 anwesenden Menschen anzugreifen. Trotz der Einschüchterungsversuche wurden die Abendspaziergänge konsequent weitergeführt und zusammen mit anderen Aktionen konnten Faschisten, Neonazis und rechte Hooligans aus Bern vertrieben werden. Inhaltlich wurde Antifaschismus nicht nur isoliert betrachtet, sondern auch in Zusammenhang mit Kämpfen gegen Kapitalismus, Sexismus, Religion, Staat und anderen Themen gestellt. Nach 2010 war dann vorerst Schluss mit den jährlich stattfindenden Spaziergängen.

Aktuell erleben wir eine politische Phase in der sowohl die Faschisten auf der Strasse wie auch die Nationalisten im Parlament an Stärke gewinnen. So hat sich in Bern wieder einmal eine Bar als Treff für rechte Hooligans etabliert, am Bahnhof stehen vermehrt Neonazis und pöbeln Andersdenkende und Migrant*innen an, es werden besetzte Häuser von Faschisten überfallen und türkische Nationalisten griffen zuletzt eine kurdische Solidaritätsdemo an. Während die SVP im Parlament versucht per Notrecht das Asylgesetz aufzuheben, setzen andere die Hetze in die Praxis um und zünden Asylheime an.
Dem gegenüber steht die parlamentarische Linke, die sich zwar auf der einen Seite mit Grossdemonstrationen als Kopf einer „offenen" Schweiz präsentieren möchte, aber gleichzeitig mehr Repression und schärfere Asylgesetze fordert und mitträgt.

Dabei ist die Schweiz eine weitere Festung innerhalb der Festung Europa. Asylgesuche von Flüchtlingen, welche durch sichere Drittstaaten eingereist sind, dürfen aufgrund der Drittstaatenregelung abgewiesen werden. Hinzu kommt, dass das Botschaftsasyl abgeschafft wurde und somit alle Flüchtlinge zuerst einmal die Schweiz erreichen müssen, bevor sie Asylgesuche stellen können. Die Einreise über das Festland kann aber nur über die genannten sicheren Drittstaaten erfolgen. Zuvor gilt es natürlich lebend nach Europa zu kommen. In Anbetracht der Tatsache wie hoch die Hürden für Flüchtlinge liegen, ist die angebliche humanitäre Tradition der Schweiz blanke Heuchelei. Umso offener zeigen sich die Schweizer Unternehmen, wenn es darum geht Profite zu erwirtschaften. Waffen werden in die ganze Welt exportiert und sogar die Milizen der Daesh (Islamischer Staat) kämpfen mit Schweizer Gewehren und Granaten. Banken spekulieren Milliarden auf Preisschwankungen um die Profite zu steigern. Die Folge davon sind steigende Preise der Grundnahrungsmittel, wie zum Beispiel der von Reis, Mais und Weizen. Dadurch werden hunderte Millionen Menschen in Hunger und Armut getrieben. Egal ob Rohstoffhandel, Waffenexporte oder Nahrungsmittelspekulation – die Schweiz hat ihre Finger bei jeder Schweinerei mit im Spiel.

Verschiedene antifaschistische Widerstandsbewegungen von Unten trotzten in den vergangen Monaten dem aktuellen Rechtsrutsch. Uns erscheint es wichtig, den verschiedenen Kämpfen eine Plattform zu ermöglichen und gleichzeitig die Kräfte zu bündeln, um ein starkes antifaschistisches Zeichen zu setzen. Deswegen haben wir uns entschlossen, wieder einen Antifaschistischen Abendspaziergang zu organisieren. Zudem finden wir, dass der antifaschistische Kampf im Zusammenhang mit anderen Kämpfen gegen Staat, Kapital, Nation, Sexismus, Rassismus und Fundamentalismus gesehen und geführt werden sollte.

So gibt es beispielsweise zwei grosse Lager zur Beantwortung der „Flüchtlingswelle", die einen sprechen sich gegen die Aufnahme und Hilfe aus, die anderen fühlen sich aus moralischen Gründen verpflichtet den Geflüchteten zu helfen und sie aufzunehmen. Dabei ignorieren beide konsequent, dass es gerade Grenzen bzw. Staaten sind, welche die Menschen gewaltsam in In- und Ausländer teilen. Aus einer antifaschistischen Perspektive heisst Solidarität für uns also nicht, Forderungen an Regierungen zu stellen oder geheucheltes Mitgefühl zu vermitteln. Für uns heisst es Solidarität in die Praxis umzusetzen und sich beispielsweise gemeinsam für Mirgant*innen einzusetzen, sich aber gleichzeitig auch gegen Grenzen und Staaten zu organisieren.

In den letzten Monaten gab es verschiedene grössere antifaschistische Demonstrationen, welche nur kurze Impulse in die Bewegungen brachte. Deswegen finden wir es wichtig, dass sich die verschiedenen antifaschistischen Zusammenhänge auch nach einem erfolgreichen Abendspaziergang weiterhin austauschen oder kooperieren. Damit wir uns gemeinsam und effektiv gegen die vorherrschende rassistische und nationalistische Stimmung wehren können. Denn weiterhin tatenlos zusehen und nur halbherzig gegen den herrschenden Alltagsrassismus oder faschistische Gewalt zu agieren, reicht in der aktuellen politischen Situation bei weitem nicht aus.

Es grüsst die Revolutionäre Jugend Gruppe Bern