denkmalDas Projekt „denk:mal", die autonome Schule Berns, feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Ein Zeitpunkt zum kollektiven Schulterklopfen und Anstossen; ein Anlass sich zu über Erreichtes und die eigene Existenz zu freuen. Aber auch ein guter Moment sich die Frage zu stellen, was das Projekt eigentlich ist und/oder sein soll und sich zu überlegen was man eigentlich in diesen zehn Jahren gemacht hat und wozu.

 

Eines gleich Vorneweg: die Ansichten darüber was genau das „Projekt denk:mal" ausmacht, dürften – abhängig davon wen man fragt – unterschiedlich sein. Auch bei diesem Artikel handelt es sich keineswegs um die offiziell autorisierte Wahrheit, sondern hauptsächlich um die persönlichen Ansichten des amtierenden Schreiberlings.

Historie und Ideologie

Das denk:mal ist ein autonomes Bildungsprojekt, entstanden 2005 im Umfeld der „Aktion Ungehorsamer Studierender" (AUS). Zu einem Zeitpunkt, als die Bologna-Reform zur Umstrukturierung der Schweizer Universitäten führte, mit dem Ziel diese wettbewerbs- und leistungsfähiger zu machen (und dadurch den „Bildungsstandort Schweiz" in einem internationalen Rahmen konkurrenzfähig zu halten). Diese Form der Neoliberalisierung der Bildungspolitik führte natürlich zu Kritik von linker Seite und lief in letzter Konsequenz auf die Frage hinaus, welche Funktion Bildung und Ausbildung in einer Gesellschaft haben sollen. Geht es darum Menschen das Wissen und die Fähigkeiten zu vermitteln, sich kritisch mit der Gesellschaft in der sie Leben auseinandersetzen zu können? Oder ist der Zweck von Schule, Lehre, etc. die Optimierung der Humanressourcen zur gewinnbringenden Ausbeutung auf dem Arbeitsmarkt?

Bildung von Unten

In diesem Zusammenhang wurde das denk:mal gegründet, mit dem Ziel eine konkrete Alternative zu gängigen Schulen zu bieten; abseits von Leistungsdruck, Prüfungsstress und Zugangsbeschränkungen (insbesondere aufgrund des Aufenthaltsstatus). Wissen kann und soll kein Gut sein, welches erworben wird (und dessen Erwerb danach mit Zertifikaten bestätigt wird). Und im Gegensatz zu materiellen Gütern ist Wissen weder exklusiv noch endlich. Jede_r, welcher etwas kann oder weiss, kann dies – zumindest bis zu einem gewissen Grad – auch anderen beibringen (ohne es dabei selbst zu vergessen). Jede_r, der etwas lernen will, oder bereit ist sein Wissen anderen Menschen weiterzugeben, soll die Infrastruktur des denk:mal dazu nutzen können (was auch heisst, dass weder Löhne gezahlt, noch Kursgebühren erhoben werden). Natürlich kann sich das denk:mal dabei nicht vollständig der vorherrschenden kapitalistischen Logik entziehen, weshalb das Projekt weder eine umfassende Schulbildung für (junge) Menschen anbieten, noch auf dem Arbeitsmarkt anerkannte Zertifikate ausstellen kann. Möglicherweise sind dies auch die Gründe weshalb Sprachkurse (insbesondere die Deutschkurse) eine dominierende Rolle im „Stundenplan" des Projektes spielen.

Autonom heisst selber machen

Als Projekt, welches das Schlagwort „autonom" in seinem Namen trägt, versucht das denk:mal grundsätzlich möglichst frei von staatlichen und institutionellen Einflüssen zu sein, die Räume selbst zu gestalten und in kollektiven Diskussionen anstehende Fragen und Probleme gemeinsam zu lösen. Autonome Schule heisst aber vor allem auch, dass es nicht eine kleine Gruppe geben soll, welche über die Inhalte und Kurse bestimmt und den restlichen Nutzer_innen eine Art „Lehrplan" vorformuliert. Jede_r, die/der einen Kurs anbieten oder besuchen möchte kann dies grundsätzlich tun. Er oder Sie ist aber im Gegenzug selber dafür verantwortlich andere Teilnehmende zu finden, sich zu überlegen wie das Wissen vermittelt werden soll, etc. Das denk:mal stellt in erster Linie die Infrastruktur zur Verfügung und kümmert sich um die Koordination der Angebote, den Rest müssen die Nutzer_innen schon selber machen.

Zum Schluss stellt sich nach wie vor die Frage, was das Projekt in den letzten zehn Jahren eigentlich erreicht hat und inwiefern Ansprüche und Realität miteinander in Einklang stehen. Eine Frage, die in diesem Artikel weder beantwortet werden kann noch soll. Dazu müssen sich die Menschen schon selbst in das Projekt einbringen, ihre Ansprüche formulieren und versuchen diese in der Realität auch umzusetzen – autonom heisst eben (auch hier) „selber machen".

iltis

Note: Dieser Artikel erschien zuerst im Megafon, die Zeitschrift aus der Reitschule Bern, No 398.