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 Der Menschenrechtsverein augenauf beobachtet, dokumentiert, kommentiert und kritisiert seit 20 Jahren Menschenrechtsverletzungen, Diskriminierungen und die Marginalisierung von Menschen und unterstützt Betroffene.

 

Von Rassismus, Schikanen, Willkür und Menschenrechtsverletzungen können viele betroffen sein – je nach Aussehen, Sprache, Religion, Pass, Aufenthaltsstatus, Geschlecht oder sexueller Orientierung ist mensch oft unterschiedlichsten Diskriminierungsformen ausgesetzt: Von blöden Sprüchen, diskriminierenden Schlagzeilen, andauernden Polizeikontrollen, Freiheitsentzug ohne ein Verbrechen begangen zu haben bis hin zur Ausschaffung.

Wer sich in solchen Situationen nicht selber juristisch oder politisch wehren kann, ist auf die Unterstützung, Solidarität und die Erfahrungen von anderen angewiesen. Je niederschwelliger desto besser.

augenauf wurde im Frühjahr 1995 gegründet – die drei regionalen Gruppen in Zürich, Basel und Bern verstehen sich als autonome, nichtstaatliche Menschenrechtsgruppen. Die Ziele waren und sind das uneingeschränkte Engagement für die Verteidigung der Grundrechte aller, sei es in Gefängnissen, Rückführungszentren, Asylunterkünften und Containern, in den Flughafen-Transiträumen, auf der Gasse oder auf Polizeiposten.

Wichtig ist uns dabei, Flüchtlingen, Migrant_innen, "Minderheiten" und allen anderen Betroffenen mit Respekt zu begegnen, ohne sie zu bevormunden. Wir versuchen, egalitär und herrschaftsfrei zu denken und zu handeln und unsere Arbeit entsprechend zu organisieren. augenauf ist keine Hilfsorganisation, sondern versucht, sofern es die Kapazitäten der einzelnen Mitglieder zulassen, Missstände, systemische Repression und Grundrechtsverletzungen von Seiten der Behörden anhand von exemplarischen Einzelfällen aufzudecken und öffentlich zu machen. Dafür wird entsprechende Medienarbeit geleistet und mit Jurist_innen und anderen Organisationen zusammengearbeitet.

Die drei Lokalgruppen konzentrieren ihre Arbeit vor allem auf die Situation im Umgang mit Grund- und Menschenrechten in den Städten Zürich, Bern und Basel sowie deren Umgebung. Die Schwerpunkte, Themen und Aktionen können sich ständig verändern, deshalb werden aktuelle Fragestellungen jeweils neu aufgegriffen und bearbeitet. Einige grundlegende Themen beschäftigen die Gruppen jedoch immer wieder, zum Beispiel Polizei- und Behördenübergriffe, willkürliche Verhaftungen und Wegweisungen, Ausschaffungen, staatliche Vertreibungs- und Abschottungspolitik, Diskriminierung von Flüchtlingen und Migrant_innen sowie die Einteilung (Spaltung) von Ausländer_innen in verschiedene Kategorien.

Gegen Sippenhaft und Dämonsierung

Ist der Ruf einmal ruiniert, repressioniert es sich ungeniert? Egal ob auf internationaler Ebene „Schlepper und Schleuser" oder auf lokaler Ebene Drogenszene, mutmassliche und richtige Dealer_innen, Flüchtlinge, Dunkelhäutige, Sozialhilfeempfänger_innen, Bettelnde, „Alkis", Demonstrierende, Strafgefangene, Ausschaffungshäftlinge, Nothilfe-Empfänger_innen, Fussballfans, Hausbesetzer_innen oder andere Bevölkerungsgruppen mit mehr oder weniger geringer Beschwerdemacht und wenig Sympathien in der Öffentlichkeit: Der medial schlecht geredete Ruf, ein prekärer sozialer oder Aufenthaltsstatus oder eine gewalttätige oder kriminelle Vergangenheit sind keine Legitimation für Schikanen, Rachefeldzüge oder für unverhältnismässige oder gar illegale Aktionen seitens der Behörden oder die Schaffung von Sondergesetzen. Und: Nur weil Betroffene einem unsympatisch sind oder unsympathisch gemacht werden, heisst das noch lange nicht, dass für sie Menschen-, Bürger- und Verfahrensrechte keine Gültigkeit haben.

Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zeigen, dass Behörden, Polizei, Parteien und Medien die Tendenz haben, aus (wahlkampftaktischem) Kalkül, Schlagzeilengeilheit oder Überforderung Probleme herbeizureden oder aufzubauschen, Bevölkerungsgruppen sippenhaftmässig pauschal zu dämonisieren und mit Sonderrechten und –massnahmen zu kriminalisieren.

In einem so geschaffenen repressiven Klima gibt es nicht nur auf der Strasse immer wieder Menschen- und Grundrechtsverletzungen, psychische und physische Übergriffe, Machtmissbräuche oder diskriminierende Behandlung – Racial Profiling ist dabei nur die Spitze des Eisberges. Die drei augenauf-Gruppen in Zürich, Bern und Basel haben in den letzten 20 Jahren versucht, dem etwas entgegenzusetzen, Betroffene zu unterstützen, Missstände zu dokumentieren und publik zu machen. Manchmal war dies erfolgreich, manchmal glich es eher einem Kampf gegen einen schier unbezwingbaren Gegner. Aber es war immer nötig.

Daran wird sich auch in den nächsten 20 Jahren augenauf nichts ändern. Was sich geändert hat, ist die Perspektive: Die reicht – angesichts der Ereignisse auf internationaler Ebene - mittlerweile über die jeweiligen Stadtgrenzen hinaus bis zum Mittelmeer und weiter.

augenauf Bern

Unser ausführliches „Mission Statement" könnt ihr hier nachlesen: augenauf.ch/ueber-uns.html

Viermal pro Jahr erscheint das augenauf-Bulletin, in welchem die drei augenauf-Gruppen über ihre Arbeit berichten: augenauf.ch/bulletin.html

Im Spätherbst erscheint ein Buch zur Geschichte und den Arbeitsfeldern von augenauf anlässlich des 20 Jahre-Jubiläums von augenauf Zürich.